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Aktuelles | Luft, Marlene | 26.10.2020 – 22.11.2020

Gemeinden wollen Schozach aufwerten

Ein Giftunfall hatte im April vergangenen Jahres tausenden Fischen in der Schozach das Leben gekostet und das Ökosystem schwer geschädigt. Die Gemeinde Ilsfeld arbeitet gemeinsam mit den Nachbarkommunen Abstatt, Talheim, Untergruppenbach und Neckarwestheim seit Monaten daran, die Schozach wieder mit Leben zu erfüllen und aufzuwerten. Untersuchungen laufen, welche konkreten Verbesserungen sinnvoll sind. Unterstützung kommt von Fischereivereinen. „Allen Kommunen entlang des Flusslaufes ist die Schozach und deren nachhaltige Verbesserungen im und am Bachbett eine Herzensangelegenheit an der mit Nachdruck gearbeitet wird“, so Bürgermeister Thomas Knödler.

 

Der 4. April 2019: Nach einem Unfall auf dem Gelände einer Spedition in Ilsfeld gelangt eine giftige Chemikalie in die Schozach. Auf einer Länge von 15 Kilometern, bis zur Mündung in den Neckar, sterben alle Fische. Feuerwehren und Bauhof sind rund um die Uhr im Einsatz. Die Folgen des Unglücks belasten das Gewässer langfristig. Das Regierungspräsidium Stuttgart stellte bei einer umfangreichen Untersuchung im Frühjahr 2020 fest, dass es noch immer erhebliche Defizite bei den Fischbeständen gibt.

 

Die Gemeinden an der Schozach wollen nicht nur die direkten Folgen des Giftunfalls beseitigen, sondern das Gewässer ökologisch aufwerten. Sie haben deshalb gewässerökologische Untersuchungen und ein Maßnahmenkonzept in Auftrag gegeben.

 

Der Gewässerexperte Dr. Berthold Kappus hat die Schozach bis Unterheinriet und den Gruppenbach bis Ortsende Untergruppenbach begangen und die Verhältnisse fotografisch dokumentiert. Proben von wirbellosen Tieren wurden genommen, um Potenziale für die Wiederbesiedlung zu finden.  Er prüft Möglichkeiten, wie die Verhältnisse an und im Gewässer optimiert werden können. Ziel sind zum Beispiel bessere Lebensraumbedingungen für Fische in verschiedenen Entwicklungsstadien. Konkret wären das flache Kinderstuben; Kieslaichplätze, Kolke oder Rinnen, die in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Teilweise sind Aufwertungen nur im vorhandenen Gewässerbett umsetzbar, weil Kanalnetze, Straßen oder Einleitungen von Regenwasseranlagen größeren Veränderungen im Wege stehen. Der Experte sucht aber auch gezielt Bereiche, in denen Renaturierungen möglich sind.

 

Ökosysteme haben grundsätzlich die Fähigkeit, sich zu regenerieren. Im Fall der Schozach ist eine Wiederbesiedlung von der Mündung her aber nur eingeschränkt möglich. Zu viele Querbauwerke stehen den Fischen im Weg, die Längsdurchgängigkeit ist eingeschränkt. Sogenannte Besatzempfehlungen geben den Fischervereinen Orientierung, welche Fischarten eingesetzt werden sollen. Für die Schozach kommen nur autochtone Fische aus umliegenden Gewässern infrage. Also: ursprünglich dort vorkommende Tiere statt Nachzuchten aus Fischzuchtbetrieben. Empfohlene Arten sind beispielsweise Bachforelle, Groppe, Elritze oder Gründling.

 

Der Hege- und Fischereiverein Forchtenberg und der Hohenloher Fischerverein Künzelsau folgten einem Appell des LFVBW-Kreisvorsitzenden Achim Megerle und stellten Fische aus ihren Gewässern kostenlos zur Verfügung. Per Elektrobefischung holten sie auf schonende Art 1500 Tiere aus den Gewässern und setzten sie in die Schozach ein.

 

Fangtrupp in Aktion - Schozach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fangtrupp in Aktion - Foto: Achim Megerle
Kreisvorsitzender Hohenlohekreis des LFVBW

 

Schritt für Schritt geht es voran mit der Erholung des Ökosystems, die grundsätzliche Gewässerqualität ist noch Gegenstand der Untersuchungen. Geprüft werden zum Beispiel stoffliche Einträge sowie Einflüsse aus der Abwasserbehandlung. Bis Ende März 2021 will Gewässerexperte Berthold Kappus seinen Bericht vorlegen. Dann wird sich zeigen, wie die Schozach als Lebensraum dauerhaft aufgewertet werden kann.

 

Schozach

 Foto: Dr. Berthold Kappus