StartseiteRubrikenübersichtAktuelles„Natur nah dran“ in Ilsfeld

Aktuelles

Aktuelles | Luft, Marlene | 30.07.2020

„Natur nah dran“ in Ilsfeld

Wegerich-Natternkopf, Nickende Distel und Rotes Leimkraut für Wildbienen und Schmetterlinge. Pflegeeinsatz sorgt für eine gute Entwicklung der Wildblumen.

 

Ilsfeld – Es blüht für Mauerbienen, Bläulinge und Distelfinken: Am Mittwoch, 22. Juli 2020, trafen sich sechs der insgesamt 13 Kommunen, die 2019 am NABU-Projekt „Natur nah dran“ teilgenommen hatten, in Ilsfeld. Gemeinsam begutachteten und pflegten sie bei einem Workshop die Blühflächen, die sie im September 2019 mit Wildstauden und -blumen bepflanzt hatten. Unter Anleitung des Naturgartenplaners Dr. Reinhard Witt unterschieden die rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche Jungpflanzen der im Vorjahr eingebrachten Arten bereits auf den Flächen zu sehen sind. Einige weniger erwünschte Arten, die die Fläche schnell zu überwuchern drohen und deren Samen sich noch im Boden befunden hatten, wurden entfernt. So haben die zum Teil noch kleinen Wildblumen und -stauden Platz und Licht, um zu wachsen.

 

„Die im Projekt angelegten Biotope benötigen anfangs etwas Geduld und Pflege, um sich zu entwickeln. Interessant ist auch, dass sie sich im Laufe der ersten Jahre immer weiter verändern“, erklärt Martin Klatt vom NABU Baden-Württemberg. „Blühen beispielsweise im ersten Jahr noch viele einjährige Pflanzen wie Mohn, Wegerich-Natternkopf oder Kornblume, etabliert sich über die Jahre eine stabile Pflanzengemeinschaft mit mehrjährigen Arten – das macht die Flächen als Lebensraum so attraktiv für viele Insekten und andere Tiere. Wer genau hinschaut, entdeckt bereits jetzt viele kleine Vorboten der kommenden Jahre. In Ilsfeld zeigen sich zum Beispiel schon Gewöhnlicher Natternkopf, Witwenblume oder Bitterkraut.“

 

Die Teilnehmenden erhielten bei der Veranstaltung viele Anregungen und Tipps, wie die Wildblumenwiesen und Wildstaudenflächen dauerhaft gepflegt werden und wie mit eventuellen anfänglichen Schwierigkeiten umgegangen werden kann. Zu Gast in Ilsfeld waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Grünflächenämter, Stadtgärtnereien und Bauhöfe der für 2019 für „Natur nah dran“ ausgewählten Kommunen aus den Regierungsbezirken Stuttgart und Karlsruhe. Das sind Eberdingen, Edingen-Neckarhausen, Kornwestheim, Schwäbisch Hall, Wiesloch und Gastgeber Ilsfeld.

 

Wildbienen summen mitten in Ilsfeld

„Besonders erfreulich ist, dass wir hier schon zahlreiche Wildblumen wie Nickende Distel oder Rotes Leimkraut sehen konnten, an denen nicht nur Honigbienen Nahrung finden, sondern auch die anspruchsvolleren Wildbienen“ sagt Martin Klatt. „Das ist besonders wichtig, denn von den rund 460 Wildbienenarten in Baden-Württemberg sind über die Hälfte in ihrem Bestand gefährdet. Da leisten Flächen wie die mit ‚Natur nah dran‘ angelegten einen wertvollen Beitrag, um die wichtigen Bestäuber zu schützen. In Ilsfeld summt und brummt etwa die Gelbbindige Furchenbiene sowie Seiden- und Maskenbienen, mitten in der Stadt.“

 

Die Teilnehmenden erhielten bereits im April eine Online-Schulung mit Reinhard Witt und dem NABU-Team, da zu diesem Zeitpunkt ein Treffen vor Ort wegen der Corona-Pandemie nicht möglich war. Martin Klatt freute sich, die Zuständigen der Kommunen nun wieder in Ilsfeld zu sehen: „Die Teilnehmenden waren sich einig: Die Tipps aus dem Online-Seminar und der virtuelle Austausch mit den anderen Kommunen haben ihnen sehr geholfen. Ein Treffen vor Ort ist aber durch nichts zu ersetzen: Hier konnten wir gemeinsam die Pflanzen anfassen, riechen und entscheiden, ob sie entfernt werden müssen oder die Fläche bereichern. Diese Erfahrungen sind für die Arbeitspraxis unersetzlich.“

 

Hintergrund:

Das NABU-Projekt „Natur nah dran“ wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten.

 

Weitere Informationen: www.naturnahdran.de

 

Fotos 1 und 2: Die Teilnehmenden konnten zahlreiche Wildbienen und andere Insekten auf den Wildblumenflächen entdecken. Foto: NABU/Anette Marquardt

Fotos 1 und 2: Die Teilnehmenden konnten zahlreiche Wildbienen und andere Insekten auf den Wildblumenflächen entdecken. Foto: NABU/Anette Marquardt

 

Fotos 3 und 4: Aufgeteilt auf eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe untersuchten und pflegten die Vertreterinnen und Vertreter der „Natur nah dran“-Kommunen den Pflanzenbestand auf den umgestalteten Grünflächen in Ilsfeld. Foto: NABU/Anette Mar-quardt

Fotos 3 und 4: Aufgeteilt auf eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe untersuchten und pflegten die Vertreterinnen und Vertreter der „Natur nah dran“-Kommunen den Pflanzenbestand auf den umgestalteten Grünflächen in Ilsfeld. Foto: NABU/Anette Marquardt