StartseiteRubrikenübersichtAktuellesGewässerverunreinigung Schozach

Aktuelles (Archiv)

Dieser Artikel befindet sich im Archiv!

Aktuelles | Kloiber, Miriam | 10.04.2019 – 17.04.2019

Gewässerverunreinigung Schozach

Pressemitteilung des Landratsamtes Heilbronn vom 12. April 2019:

 

Gewässerverunreinigung Schozach
Einschränkungen bei der Wasserentnahme aufgehoben
Die Ergebnisse der entnommenen Gewässerproben aus Schozach, Gruppenbach sowie den sicherheitshalber abgeschalteten Trinkwasserbrunnen sind unauffällig. Die bisher geltenden Sicherheitshinweise werden aufgehoben. Das Entnehmen von Wasser aus der Schozach, dem Gruppenbach und den Seitengewässern sowie das Tränken von Tieren ist wieder möglich. Die Trinkwasserbrunnen sind wieder im Betrieb und werden weiter engmaschig überwacht.

 

___________________________________________________________________________

 

Die Gewässerverunreinigung  der Schozach hat die Einsatzkräfte, die Gemeindeverwaltung, aber auch die Bürgerinnen und Bürger Ilsfelds seit den ersten Anzeichen am vergangenen Donnerstagmorgen viel Kraft, Anstrengung und Trauer bereitet. Eine ökologische Katastrophe, die sich in Ilsfeld ereignet hat und mit der wir nun gemeinsam umgehen müssen und natürlich auch aufarbeiten müssen.

 

Noch dauern die Ermittlungen von Polizei und Landratsamt an - was die Ursache der Verunreinigung der Schozach anbelangt, so entnehmen Sie die neuesten Erkenntnisse bitte den nachstehenden Pressemitteilungen des Landkreises Heilbronn (Krisenstab). Bereits heute aber ist es Gemeinderat und Verwaltung äußerst wichtig, sich an dieser Stelle für die schier unglaubliche Einsatzbereitschaft und die große Zahl an Helfern und Einsatzkräften zu danken.

Sofort nach Kenntnis über das Fischsterben am vergangenen Donnerstag waren zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Ilsfeld, die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs und die Mitarbeiter der Kläranlage des Zweckverbandes Gruppenkläranlage Schozachtal faktisch im Dauereinsatz.

 

·         Von der Feuerwehr Ilsfeld wurden insgesamt 38 Feuerwehrangehörige alarmiert. Davon waren 21 Personen im Einsatz. Insgesamt liefen von Donnerstagmittag bis Freitagnachmittag 248 Einsatzstunden auf. Einige Einsatzkräfte waren über 20 Stunden im Dauereinsatz. Die Feuerwehr musste Frischwasser aus einem See beim Steinbruch zur Verdünnung in die Schozach pumpen. Gleichzeitig wurde auch von den Firmen Läpple GbR und BMK Steinbruchbetriebe Wasser in die Schozach gepumpt. Außerdem hatte die Feuerwehr Ilsfeld ein sogenanntes Gulliei zur Abdichtung eines Kanaleinlaufs in den Gruppenbach im Einsatz. Dieses musste regelmäßig auf Dichtigkeit überprüft werden. Auch wurden die Messfahrzeuge des Landkreises bei den Probeentnahmen auf Ilsfelder Gemarkung unterstützt.

 

Frischwasser aus dem See beim Steinbruch wird in die Schozach gepumpt.

 

·         Die Mitarbeiter des Bauhofes kontrollieren seit letztem Donnerstag - natürlich auch über das Wochenende hinweg -  ständig die Trinkwasserversorgung. Selbstverständlich wurde sofort nach  Kenntnis der Havarie komplett auf Bodenseewasser umgestellt. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten, wie hier weiter verfahren wird.
Zahlreiche Mitarbeiter des Bauhofes waren immer wieder am Ilsfelder Lauf der Schozach unterwegs, um tote Fische aus der Schozach zu holen.

 

·         Große Einsatzbereitschaft zeigten auch die Mitarbeiter der Gruppenkläranlage Schozachtal. Hier galt die große Sorge der Frage, wie die Biologie der Kläranlage mit den Giftstoffen umgehen würde? Wäre ein „Umkippen“ der Kläranlage zu befürchten? Um eine Schadensminimierung bemüht, wurde das Regenrückhaltebecken auf der Anlage (1000 m³) befüllt, um kontaminiertes Wasser nicht weiter in die Anlage zu geben, sondern fachgerecht zu entsorgen – was am Sonntag dann auch erfolgte.  Zwischenzeitlich kann festgehalten werden, dass die Kläranlage zu jeder Zeit betriebssicher war und ist.

 

 

Tanklastwagen nehmen das kontaminierte Wasser aus dem Regenrückhaltebecken auf.

 

·         Bedanken möchte sich die Gemeindeverwaltung auch bei Frank Jung vom Ingenieurbüro i-motion für 96 Stunden wertvolle und sachkundige Non-Stop-Unterstützung, den Landwirten in Ilsfeld für die tatkräftige Unterstützung und die vielen Hilfsangebote, ebenso wie der Firma SER GmbH und der Bauunternehmung Leonhard Weiss für deren Angebote zur Unterstützung, auch wenn diese am Sonntag dann nicht mehr benötigt wurden, da die ordnungsgemäße Entsorgung des kontaminierten Wassers im Regenrückhaltebecken über die Firmen Lebküchner, Lutz, Türpe und Schöne gewährleistet werden konnte .

 

·         Auch die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Talheim, die ja von der Verunreinigung ebenso hart getroffen wurde wie Ilsfeld selbst ist eine Würdigung wert – wie auch die gute Zusammenarbeit mit den Feuerwehren aus Abstatt, Lauffen und Neckarsulm.

 

Abschließend ist zu sagen, dass die Ermittlungen zum Schadenshergang von der Polizei noch einige Tage in Anspruch nehmen werden. Über die Ergebnisse werden wir dann selbstverständlich zeitnah berichten. Seien Sie aber gewiss, dass auch wir von Seiten der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderates an einer vollständigen Aufklärung in höchstem Maße interessiert sind und alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen werden, um eine größtmögliche Kompensation zu erwirken.

 

Bei allem Unglück gilt es positiv zu erwähnen, dass die ersten Untersuchungen der LUBW  vom Montag ergeben haben, dass die „Kleinstlebewesen“ in der Schozach in großem Umfang von der Katastrophe verschont blieben und insofern eine zeitnahe Ansiedlung von Fischen möglich erscheint.

 

Vielen Dank für die vielfältige und engagierte Unterstützung.

 

Im Namen von Gemeinderat und Verwaltung

 

Thomas Knödler

Bürgermeister der Gemeinde Ilsfeld

____________________________________________________________________________

 

Nachfolgend finden Sie die neuesten Pressemitteilungen des Landratsamtes Heilbronn:

 

Vom 08. April 2019

Gewässerverunreinigung Schozach

Ursache höchstwahrscheinlich gefunden - Schadensbegrenzungsarbeiten dauern an

 

Der Ausgangspunkt der Verunreinigungen, die zu einem massiven Fischsterben in Gruppenbach und Schozach von Ilsfeld-Wüstenhausen bis zur Mündung in den Neckar geführt haben, ist nach derzeitigem Kenntnisstand das Grundstück einer Spedition in Ilsfeld im Gewerbegebiet „Bustadt“.

Dort war es, wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte, am Dienstag, 2. April, zu einer Leckage in einem Gebinde mit „Azelis LF 54“ – einem industriellen Grundstoff für Reinigungsmittel - gekommen. Dadurch liefen ca. 1.000 Liter des hochkonzentrierten Stoffs auf Alkoholbasis in die vorhandene Grundstücksentwässerung. Von dort gelangte der Stoff aus noch nicht vollständig geklärten Gründen in die öffentliche Entwässerung und von dort über die Straßenentwässerung und somit in den Gruppenbach und die Schozach. Die genauen Zusammenhänge werden geprüft und sind Gegenstand polizeilicher Ermittlungen.

In dem auf dem Betriebsgelände aufgefundenen beschädigten Gebinde befanden sich Reststoffmengen, aus denen eine Referenzprobe entnommen und analysiert wurde. Sie stimmte im chemischen Profil (Totalionenchromatogramm) exakt mit den Ergebnissen der ersten Wasserprobe überein. Nach Einschätzung von zugezogenen Chemiefachberatern und des Analyselabors ist der Eintrag dieses Stoffes ursächlich für das Fischsterben.

Der Einsatzschwerpunkt des Landratsamtes als Untere Wasserbehörde lag auch am Wochenende und am Montag darauf, weiteren Schadstoffeintrag zu verhindern.

Dazu wurde das Entwässerungssystem auf dem Grundstück der Spedition und der betroffene Regenwasserkanal der Gemeinde durch eine Fachfirma gereinigt. Das dabei angefallene Spülwasser wurde aufgefangen und wird einer fachgerechten Entsorgung zugeführt.

Das mit ca. 1.000 m³ kontaminiertem Wasser gefüllte Regenüberlaufbecken vor der Kläranlage Ilsfeld wurde am Sonntag leergepumpt und gereinigt. Bei einem möglichen Regen steht so das Becken wieder zur Verfügung, um Wasser aufzufangen, das möglicherweise belastet sein könnte.

Bis die Ergebnisse der neuesten Beprobungen vorliegen, wird vorsorglich weiterhin empfohlen, kein Wasser aus der Schozach und dem Gruppenbach zu entnehmen, keine Tiere zu tränken und auch Grundwasserentnahmen im Bereich dieser Gewässer eingestellt zu lassen. Tote Fische werden von den Gemeinden eingesammelt.

Pressemitteilung Landratsamt Heilbronn vom 08.04.2019

____________________________________________________________________________

 

Vom 10. April

Gewässerverunreinigung Schozach

Kleinstlebewesen könnten Schadstoffwelle überstanden haben

 

Eine erste Untersuchung der Kleinstlebewesen (Makrozoobenthos) in der Schozach hat keine Auffälligkeiten gegenüber Messungen vor dem Schadensfall ergeben. Das bedeutet, dass entgegen erster Annahmen eine der entscheidenden Grundlagen für eine Wiederbesiedelung durch Fische gegeben sein dürfte, da die Kleinstlebewesen ein Teil der Nahrungsgrundlage für Fische sind. Eine genauere Prognose ist allerdings erst nach einem Beobachtungszeitraum von rund vier Wochen möglich.

Auch im stärker betroffenen Gruppenbach hat offensichtlich bereits eine Wiederbesiedelung mit Kleinstlebewesen begonnen. Diese stammen vermutlich aus dem unbelasteten Bereich vor der Schadensstelle oder aus dem Interstitial (den Zwischenräumen der Gewässersohle).

Am Montagnachmittag entnommene Gewässerproben aus Schozach und Gruppenbach werden derzeit durch Fachlabore untersucht.

Das Landratsamt arbeitet außerdem weiter mit Hochdruck daran, die Trinkwasserversorgung der drei sicherheitshalber abgeschalteten Brunnen wieder auf Normalbetrieb umzustellen. Momentan findet dort noch eine Ersatzversorgung statt. Die Trinkwasserbrunnen werden derzeit gespült und danach beprobt. Ergebnisse der Beprobung liegen voraussichtlich frühestens Ende der Woche vor.

Die Reinigung der betroffenen Schmutzwasserkanäle vom Betriebsgelände bis zur Kläranlage Ilsfeld durch Fachunternehmen läuft bereits seit dem Wochenende durchgängig und dauert noch an.

Ebenfalls werden heute noch vereinzelt anfallende Fischkadaver geborgen. Dabei handelt es sich um bereits vor einigen Tagen verendete Fische, die durch Verwesungsprozesse nun vom Grund der Gewässer aufschwimmen und abgetrieben werden.

Pressemitteilung Landratsamt Heilbronn vom 10.04.2019

 

____________________________________________________________________________

 

 

Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Heilbronn und des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 10.04.2019

 

 

Ilsfeld: Nach Fischsterben in der Schozach Ermittlungsverfahren gegen zwei Mitarbeiter einer Firma eingeleitet

 

Mittlerweile konnte geklärt werden, wie die Flüssigkeit, die am Donnerstag, 4. April, zu einem Fischsterben in der Schozach geführt hat, in das Bachbett gelang ist. Nach den bisherigen Ermittlungen stieß ein Staplerfahrer einer Spedition mit einem Zinken des von ihm benutzten Gabelstaplers gegen einen 1.000 Liter fassenden Flüssigkeitscontainer. Dessen Inhalt lief aus und gelangte anschließend vom Hof der Firma über eine Entwässerungsrinne in einen Entwässerungsschacht und von diesem nach draußen in das Bachbett.

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn und die Polizei ermitteln inzwischen gegen den 31-Jährigen und einen Kollegen, weil beide nach dem derzeitigen Erkenntnisstand den Umstand, dass die Flüssigkeit auslief, weder der Firmenleitung noch den Umweltbehörden gemeldet haben. Bereits im Laufe des Donnerstags hatte sich ein erster Verdacht ergeben, dass die zum Unglück führende Flüssigkeit aus dem Areal der Firma kam. Die internen Recherchen und Befragungen der Firmenverantwortlichen führten schließlich zu den beiden Mitarbeitern. Bislang wird gegen diese wegen Gewässerverunreinigung ermittelt. Ob noch weitere Personen für den Schadensfall verantwortlich sind, wird derzeit geprüft. Eine Verpflichtung, den Behälter, in dem sich die Flüssigkeit befand, als Gefahrgutcontainer zu kennzeichnen, bestand nicht.

Pressemitteilung Staatsanwaltschaft Heilbronn und Polizeipräsidium Heilbronn vom 10.04.2019