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aktuelles | Kloiber, Miriam | 27.06.2018

Oettinger Mühle

Aus der Reihe "Ilsfelder Betriebe - Werden und Wandel"

 

Die heutige Oettinger Mühle hat bereits eine lange Geschichte. Als Lohmühle war sie jahrhundertelang eine der drei Mühlen in Ilsfeld. Seit etwa 150 Jahren ist sie nun inzwischen im Besitz der Familie Oettinger. Stolz rechnet der gegenwärtige Eigentümer Klaus Oettinger nach: „Mit meiner Tochter, die für das Mühlencafé verantwortlich zeichnet, befinden wir uns bereits in der 6. Generation.“

Sich immer wieder auf neue Herausforderungen einstellen – um als Mühle heutzutage überleben zu können, ist das essentiell. Von etwa 15 000 Mühlen, die es nach dem 2. Weltkrieg noch gab, sind heute noch 250 Mühlen übrig – 50 davon halten einen Marktanteil von 80 %. Das große Mühlensterben hatte unterschiedliche Gründe -  um als kleine Mühle zu bestehen, musste man sich spezialisieren. Die Familie Oettinger hat dies mit dem Mühlencafé und der Bäckerei getan – heute wichtige Standbeine im Betrieb. Hier wird beispielsweise im Holzbackofen gutes Holzofenbrot gebacken – eine Spezialität des Hauses, natürlich aus dem in der Mühle vermahlenen Mehl hergestellt.

Eigentlich hatte man die Erweiterung um Bäckerei und Café schon lange ins Auge gefasst, doch erst die Tochter der Oettingers hat es 2014 verwirklicht - mit einer Ausbildung zur Konditormeisterin war der Weg hier wohl vorgezeichnet.

Doch auch im Mühlenbereich haben sich die Betreiber spezialisiert, besonders auf Regionalität, Naturbelassenheit und Spezialmehle. Dinkelmehl ist in den letzten Jahren vermehrt im Kommen, weiß Müller Klaus Oettinger. „Früher hat man den genügsamen Dinkel nur auf schlechten Böden gepflanzt, heute wächst er auch auf guten Böden“, meint er. Alle seine Mehle kommen aus Baden-Württemberg, Weizen und Roggen zumeist innerhalb eines Radius  von 15 km Entfernung, einzig der Dinkel stammt aus Osterburken oder Herrenberg. 1500 Tonnen Getreide lagert in den Silos der Mühle. Wenn die Mühle läuft, kann sie pro Stunde etwa 1 t Getreide zu Mehl vermahlen. Ein Mühlrad gibt es in der Mühle nicht mehr. 1990 wurde das Rad, das auch damals nicht von außen sichtbar war, durch eine Turbine ersetzt. Die Wasserkraft alleine reicht nicht mehr, um die Mühle anzutreiben, sie liefert nur einen Teil der benötigten Energie.

Beim Rundgang durch die Mühle mit den verschiedenen Mahlwerken und Maschinen zeigt sich: ein Müller muss auch über einen umfassenden technischen Sachverstand verfügen.

 

Mit dem Mühlensterben sind auch die Mühlenbauer verschwunden. Nur bei ganz großen Problemen oder Umbauten wendet sich Klaus Oettinger an die verbliebenen Mühlenbauer in Braunschweig oder Landshut, Reparaturen und Wartungen werden von ihm selbst durchgeführt.

Bis aus dem Getreide weißes Mehl geworden ist, braucht es 15 Mahldurchgänge. Aus 100 kg Getreide werden 50 kg helles Mehl, 25 kg dunkles Mehl und 25 kg Nachprodukte wie Kleie.

Das gemahlene Mehl wird direkt in der Mühle verkauft bzw. an Gastronomiebetriebe wie Pizzerien und Dönerläden und einige Supermarktketten wie Rewe- und Edeka-Märkte ausgeliefert. Bei der Besichtigung fährt ein Ehepaar aus Neckarsulm vor, das sein Getreide ausschließlich von der Oettinger Mühle bezieht. Viele seiner Kunden, so Klaus Oettinger, kommen aus einem weiteren Umkreis.

 

Worin liegt die Zukunft der Mühle? Ganz klar, meint Klaus Oettinger, in der Direktvermarktung und dem Ausbau des Standortes als Ausflugsziel. Die Nähe zum Radweg ist dabei optimal.

 

Überhaupt geht der Trend zum Mühlenerlebnis. Auch hier ist die Kombination mit Bäckerei und Mühle sinnig, denn was seit einigen Jahren auf dem Programm steht und sehr gut angenommen wird, ist die Ausrichtung von Kindergeburtstagen. An zwei Nachmittagen in der Woche werden Kindergeburtstagsgesellschaften durch die Mühle geführt und anschließend dürfen die Kinder in der Backstube eigene Backwaren herstellen. Auch für Erwachsene bietet Klaus Oettinger Mühlenführungen an. Die Faszination für dieses archaische Handwerk ist bis heute ungebrochen.

Für Klaus Oettinger ist diese Arbeit Alltag. Und zu seinen 1500 t Getreide, die in den Silos darauf warten, gemahlen zu werden, gesellen sich noch 50 Schweine und 300 Hühner dazu. Landwirtschaft, wie sie der Vater von Klaus Oettinger noch betrieb, gibt es heute nicht mehr, aber die Schweine, die die Wurstwaren für das Frühstück im Mühlencafé „liefern“ und die Hühner, die für die Eier in der Backstube sorgen, machen Sinn, besonders vor dem Hintergrund des Regionalitätsgedankens.

Die Arbeit geht den Oettingers nicht aus, an allen Ecken des Betriebs wird geschafft – die Mühle mahlt und Cornelia Oettinger und Tochter Lena sind in der Backstube beschäftigt. Immerhin 15 Teilzeitkräfte beschäftigen Bäckerei und Café. Übrigens: die Oettingers suchen gegenwärtig einen ausgebildeten Bäcker zur Verstärkung des Backteams. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Oettinger Mühle unter der Telefonnummer 07062 – 6979.