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aktuelles | Kloiber, Miriam | 07.03.2018 – 30.04.2018

Biohof Föll

Der Laden ist das Aushängeschild für den Biohof Föll. Seit er im Jahr 2002 auf rund 50 qm seine Pforten öffnete, wurde drei Mail erweitert. Heute liegt die Verkaufsfläche bei 150 qm. „Der Schwerpunkt“, so Marion Föll, die zusammen mit ihrem Mann Marcus Föll den Biohof betreibt, „liegt bei uns definitiv auf Frische und Regionalität“. Diese beiden Faktoren sind ausschlaggebend bei der Auswahl der Produkte und Lieferanten. Jetzt im Winter gibt es Gemüsesorten wie Steckrüben, Pastinaken, Wirsing, Spitzkohl, Grünkohl etc.  Die meisten ihrer Produkte sind nach den strengen Vorgaben der Verbände demeter und Bioland zertifiziert. Dort, wo der Aspekt der Regionalität nicht möglich ist, bei exotischen Früchten beispielsweise, stehen trotz allem immer der Mensch, faire Arbeitsbedingungen und eine faire Arbeitssituation im Mittelpunkt.

Neben dem Laden gibt es da natürlich den Bio-Anbau Föll, mit dem eigentlich alles begonnen hatte – zumindest was die Biolandwirtschaft Föll angeht.

Den Bauernhof Föll gibt es schon lange. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts verlässt der Großvater von Marcus Föll das elterliche Gehöft in Wüstenhausen und gründet einen „Aussiedlerhof“ am Ortsrand – am heutigen Standort. Lange Jahre ist es ein kleiner Gemischtbetrieb mit Tierhaltung. Als es für Marcus Föll an die Berufswahl geht, macht er zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, schon damals mit dem Ziel, die Landwirtschaft des Vaters zu übernehmen – gegen das Anraten der Eltern. Doch er verfolgt sein Ziel konsequent. Früh ist für ihn klar, dass er Landwirtschaft nach ökologischen Kriterien betreiben möchte, leistet deshalb seinen Zivildienst auf einem anthroposophischen Gut ab und absolviert Praktika auf Bio-Höfen. Als Marcus und Marion Föll den Hof in Wüstenhausen übernehmen, wollen sie sich eigentlich breit aufstellen, von allem etwas anpflanzen und dies dann in Direktvermarktung verkaufen. Doch wie so oft kommt es dann doch anders: durch die Übernahme der Obstanbauflächen von Ilsfelds Bio-Pionieren Hans und Lilo Böhringer verlagert sich der Schwerpunkt: der Obstanbau wird zur Zukunft der Fölls. Dabei unterscheidet man die angebauten Obstsorten in die Kategorie „Tafelobst“ wie Äpfel, Birnen und Erdbeeren, das wesentlich mehr Arbeitsaufwand fordert als das sogenannte „Verarbeitungsobst“ wie Johannisbeeren, Holunder, Sauerkirschen oder Mostäpfel. Eine besondere Spezialität der Fölls sind die Mini-Kiwis, die von der Größe her großen Trauben ähneln und mit Schale verzehrt werden. Allerdings bedarf auch diese Obstsorte intensiver Pflege, da sie sehr frostanfällig ist. Saison ist dann auch nur für 6 – 8 Wochen im Herbst. Doch der Geschmack lohnt sich, das melden auch die Kunden immer zurück.

Worin liegen die Herausforderungen in der Landwirtschaft und speziell der biologischen Landwirtschaft? Beiden gemeinsam ist die Witterung, die unberechenbar ist und bleibt. Hier zieht man in Ilsfeld an einem Strang – die Landwirte, egal ob biologisch oder konventionell – haben sich in Ilsfeld zusammengetan und gemeinsam in eine Bewässerungsanlage investiert, um so auch gegen die heißer werdenden Sommer gerüstet zu sein.

Sich gegen Frost zu schützen ist nicht ganz so einfach, das mussten die Fölls 2017 wieder einmal, aber dieses Mal extrem, erfahren. Trotz des Einsatzes von Frostkerzen erfror damals im April ein Großteil der Blüten. 2016 kam der Hagel und hat einen Teil der Ernte beeinträchtigt.

Abgesehen von Wetter und Klima spielt natürlich auch in der Bio-Landwirtschaft das Thema Schädlinge eine Rolle. Doch statt großflächig Pestizide zu verwenden, setzt man hier auf verschiedenen Ebenen an. Das beginnt mit den angepflanzten Sorten. Es werden solche bevorzugt, die robust sind und dem jeweiligen Standort entsprechen. Außerdem bieten die Föllschen Obstplantagen mit dem bewussten Anpflanzen von Hecken Lebensraum für Vögel, die wiederum Schädlinge in Schach halten. Auch mit pflanzlichen und mineralischen Mitteln wird den Schädlingen Einhalt geboten, beispielswiese mit Gesteinsmehl oder Pflanzenauszügen. Dies erfordert jedoch einen deutlich höheren Zeitaufwand als in der konventionellen Landwirtschaft. Viel punktueller und zeitlich begrenzter wirken diese Mittel. Blühstreifen finden sich zwischen den Obstbäumen der Fölls, um Lebensraum zu bieten für Bienen und andere bestäubende Insekten.

Und was macht ein Bio-Bauer im Winter? Marcus Föll lacht: „Die Arbeit geht mir nicht aus, aber der Zeitpunkt ist nicht so entscheidend. Ich kann mir die Aufgaben besser einteilen, die Natur wartet eher ab.“ Im Sommer, so meint er, zähle jeder Tag. Im Laden, fügt Marion Föll hinzu, sei zu beobachten, dass im Winter tendenziell etwas mehr los ist und es generell in den Ferien etwas ruhiger zugeht. Doch die Kunden schätzen und honorieren die innere Qualität der Föll-Produkte und auch die hohen Bio-Standards, die die angebotenen zugekauften Produkte erfüllen.

Stolz sind die Fölls auf das Erreichte. Damals, in den 1960er Jahren, gab es für die Eltern eigentlich nur die Devise „wachsen oder weichen“. Der Betrieb hätte damals keine Familie ernähren können. Die Alternative, für die sich die Fölls entschieden haben, bietet heute Arbeit für 2 festangestellte Mitarbeiter und 10 – 15 Saisonkräfte im Obstanbau und 12 teilzeitbeschäftigte Mitarbeiterinnen im Laden.

 

Der maximale Gewinn hat für Marcus und Marion Föll allerdings nicht die höchste Priorität. Natürlich soll der Betrieb wirtschaftlich sein, aber die Natur zu erhalten, ein funktionierendes Ökosystem innerhalb der Obstplantage zu fördern und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu pflegen, all dies hat einen ebenso großen Stellenwert im Biohof Föll.  Nicht nur Kunden, die in den Bioladen nach Wüstenhausen kommen, sondern auch Menschen, die in einem 200-km-Radius rund um Vaihingen/Enz wohnen – dort sitzt der regionale Bio-Großhändler, an den Marcus Föll seine Äpfel liefert – können die Bio-Äpfel aus Wüstenhausen genießen.