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aktuelles | Kloiber, Miriam | 17.01.2018 – 11.02.2018

Kaufhaus Kitterer

Zur Auensteiner Dorfweihnacht im Dezember lud wieder eine echte Auensteiner Institution der Vergangenheit zum Besuch ein: das Kaufhaus Kitterer öffnete seine Pforten. Das Haus mit bewegter Geschichte wurde 2015 von den drei Gemeinderäten Claus Gross, Patricia Schäfer und Stefan Bartenbach zu neuem Leben erweckt. Mit tatkräftiger Unterstützung von Malermeister und Gemeinderat Ralf Dittmann wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Dorfladens herausgeputzt.

 

Im Laufe der vergangenen drei Jahre öffneten sich die Türen immer wieder zur Dorfweihnacht. Doch auch die Schule hat in den letzten Jahren immer wieder vorbeigeschaut, um sich ein Bild davon zu machen, wie es früher in einem Laden ausgesehen hat. Dazu haben die drei Gemeinderäte Ausstellungsgegenstände gesammelt, etliche Spenden kamen ebenfalls dazu.

Als Archivarin konnten die Initiatoren Astrid Schulz gewinnen, die auch im Heimatverein engagiert ist und bereits etliche Ausstellungen mitkonzipiert hat. Und so ist – neben den vielen Ausstellungsgegenständen – an den Wänden ein beeindruckender Überblick entstanden über die wahre Vielfalt an Geschäften, die es einstmals in Auenstein gab: von gleich zwei Schuhläden wird hier berichtet, einem Kurzwarengeschäft, das auch als Leihbücherei fungierte, 3 Metzgereien, 2 Bäckereien, einem Spielzeug- und Haushaltswarenladen, einem Bekleidungsladen mit Schneiderei und natürlich vom Kaufhaus Kitterer, das mit seiner zentralen Lage die Kommunikationszentrale des Ortes darstellte. Gemeinderat Claus Gross kann sich selbst noch daran erinnern, wie sich die Jugend Auensteins um die Treppe am Eingang zum Laden versammelte – hier war das Motto „Sehen und gesehen werden.“

Und was gab es nicht alles in diesem Laden? Von fahrbaren Untersätzen wie Dreiräder und Schlitten über Rattenfallen, Bettpfannen und Arbeitskleidung bis hin natürlich zu Lebensmitteln und den beliebten Süßigkeiten wie Himbeerbonbons und Brause und später dann auch die ersten Micky-Maus-Hefte – kein Wunder, dass die Auensteiner „Kaufhaus“ dazu sagten!

Bereits 1913 erwirbt der gelernte Bäcker Georg Kitterer das Haus und betreibt mit seiner Frau Rosine gemeinsam das Gemischtwaren-Geschäft in Auensteins Dorfmitte. Nach seinem Tod führt seine Frau, unterstützt von Tochter Lydia und Enkelin Sigrid  den Laden weiter. 1972 dann muss dieser Dorfladen – wie so viele  – dem Druck der damals aufstrebenden Supermärkte weichen.

Umso schöner, dass die Gemeinderäte hier aktiv wurden und dieses Stück Auensteiner Geschichte lebendig werden lassen. „Das Haus“  so Claus Gross, „ist ein Stück Identifikation und gehört einfach zum Ortsbild dazu.“

Und so ließ man sich auch zur vergangenen Dorfweihnacht etwas Besonderes einfallen: zahlreiche Leinensäcke aus den vergangenen Jahrhunderten waren ausgestellt und erzählen so manche Geschichte.

Es gibt Säcke aus dem 1. Weltkrieg, aus dem 2. Weltkrieg, aber auch Säcke, auf denen „Amerikanische Nothilfe“ aufgedruckt ist und viele „heimische“ Säcke mit Aufschriften wie: „Friedrich Luithle , Metzger, Auenstein.“ Zum Transportieren waren diese Säcke – längst nicht nur für Mehl – ideal. Und sie sind extrem robust und langlebig, wie man an dem ältesten Sack in der Ausstellung sehen kann, der die Jahreszahl 1794 trägt.