| Harmonika-Club Ilsfeld e.V. feiert 75-jähriges Bestehen
Begeisterndes Jubiläumskonzert und vollbesetztes Haus
Ein musikalisches Feuerwerk der Akkordeonmusik mit Ausdruck und Charakter erlebten die zahlreichen Gäste beim Ilsfelder Harmonika-Club. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 75-jöhriges Jubiläums. Für sein langjähriges ehrenamtliches Wirken wurde der Ehrenvorsitzende Steffen Schoch mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg und der Ehrenamtsplakette des Deutschen Harmonika-Verbandes ausgezeichnet.

Erleichtert trat die Vereinsvorsitzende Elke Pfleiderer ans Mikrofon, als sie nach der musikalischen Eröffnung durch die Ilsfelder Handörgler mit dem Marsch „Junges Blut“ und vor voll besetztem Haus die Festgäste begrüßen konnte. Elke Pfleiderer ging in ihrer Ansprache auf die markantesten Ereignisse der 75-jährigen Vereingeschichte ein und reflektierte diese mit dem Weltgeschehen.
Die Vereinsgeschichte
Im gleichen Jahr, als die Amerikaner Franklin Roosevelt zu ihrem Präsidenten wählten, wurde der heutige Harmonika-Club Ilsfeld e.V. als Handharmonika-Club Schozachtal gegründet. Und auch Willi Kollmar - langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorstand - erblickte das Licht der Welt. Es scheint ein gutes Jahr gewesen zu sein. Denn sowohl der HCI als auch Willi Kollmar erfreuen sich bester Vitalität. Da war aber auch das Jahr 1971. „McDonalds eröffnete seine erste Filiale in Deutschland, der Assuan Staudamm in Ägypten wurde eröffnet und Gerda und Siegmund Riedinger kamen als blutjunge Musiklehrer nach Ilsfeld“, wusste Elke Pfleiderer zu berichten.
Seit dem Beginn der 70er Jahre wuchs der Bekanntheitsgrad und das musikalische Niveau des Orchesters wie auch seine Spielerzahl stetig an. Auftritte folgten im bayerischen Inzell, in Kirchdorf/Tirol, in Potsdam, in Riva am Gardasee, im Sauerland und in Ilsfelds englischer Partnergemeinde Ottery St. Mary in Devon. Letzt genannter zählte sicherlich zu den Höhepunkten der musikalischen Vereinsgeschichte. Das Konzert in der Kathedrale ist bei allen noch in bleibender Erinnerung.
Ständig ist der Harmonika-Club darum bemüht, neue Spieler zu gewinnen und neue musikalische Gruppen zu formieren. So werden 1988 die Ilsfelder Handörgler gegründet, die heute in Europa – vielleicht sogar weltweit - zu einem der ganz wenigen Orchester gehören, die mit einem kompletten Stimmensatz ausschließlich mit Knopfakkordeons spielen. Etwas besonderes ist das Orchester nicht zuletzt deshalb, weil noch heute die einstmals jüngste Diplomakkordeonlehrerin Else Welte mit ihren 90 Jahren aktiv mitmusiziert.
Und auch die vor über 10 Jahren gegründete Hobbygruppe ist mit ihren Aktivitäten „rund um das Akkordeon“ ständig präsent und musikalischer Botschafter ihres Instruments.
Grußworte des Bürgermeisters
Bürgermeister Thomas Knödler bezeichnete den Harmonika-Club Ilsfeld e.V. in seiner Laudatio als „musikalisches Schwergewicht der Gemeinde“ und würdigte das kontinuierliche kulturelle Wirken mit einem finanziellen Zuschuss der Gemeinde Ilsfeld. Nicht zuletzt als Ausrichter des Ilsfelder Holzmarktes trage der HCI dazu bei, dass der Namen der Gemeinde Ilsfeld weit über die Regionsgrenzen hinaus getragen werde und die kulturelle Verpflichtung dieser fast 500-jährigen Traditionsveranstaltung jedes Jahr aufs Neue mit Leben gefüllt würde.
Eine „frohe Botschaft“ konnte der Bürgermeister auch überbringen als er mitteilte, dass der Verein weiterhin seinen Probenraum beim Steinbeis-Schulzentrum – und bald auch in renoviertem Zustand – behalten dürfe und dass beim nächsten großen Konzert auch die Gemeindehalle als „gute Stube der Gemeinde“ mit zeitgemäßer Technik und ansprechender Ausstattung zur Verfügung stehe.
Musikalische Zeitreise durch 75 Jahre HCI
Der Vereinsdirigent Siegmund Riedinger hatte für das Jubiläumskonzert eine musikalische Zeitreise zusammengestellt. Diese begann mit original Instrumenten und original Notensätzen und die Ilsfelder Handörgler berichteten musikalisch aus den Beginnjahren des Vereins mit dem Walzer „s´Hüttenmaderl“ von Emil Wild. Mit dem von Siegmund Riedinger arrangierten Potpourri „Wir machen Musik“ zeigten die Handörgler, dass sie up to date sind und auch die modernen Rhythmen beherrschen.

Mit dem Marsch „Salto Mortale“ erinnerte das I. Orchester an die erste TV-Soap mit Gustav Knuth, Hans-Jürgen Bäumler und Horst Janson gefolgt vom Walzer „Sonnenschein auf der Eger“. Auch mit dem Charakterstück "Die Post im Walde" hatte es sich das Orchester nicht gerade leicht gemacht, ist es doch von vielen wechselnden Einsätzen geprägt. Den berühmten "Widerhall" des Waldes lieferte dazu trefflich das Elektronium mit „seiner“ Trompete.
An musikalische Höhepunkte bei Wertungsspielen mit höchsten Auszeichnungen erinnerte das I. Orchester mit dem 1. Satz „Vorhang auf!“ aus der Varieté-Suite von Rudolf Würthner und dem 4. Satz aus „Das große Derby“ von Adolf Götz. Schnelle Rhythmen und langsamere, getragene Weisen standen bei einer Fantasie von Rudolf Würthner mit dem Titel "Parlez-moi d`amour" in heiterem Zwiegespräch, steigerten sich in kraftvoller Intensität, verharrten sekundenlang in effektvollen Pausen, um schließlich in einem überraschenden Schlusstakt zu enden. Das Orchester überzeugte in diesem Werk durch perfektes Zusammenspiel und bewies, dass es unter der Leitung seines Dirigenten Siegmund Riedinger zu Recht zu einem der besten Orchester in der Region gehört.
Wer den Vereinsdirigenten Siegmund Riedinger kennt, der weiß auch, dass er bei einem solchen Anlass das gesamte Können seiner Orchester und Musiker unter Beweis stellen will.
So begann der zweite Teil nach der Pause mit einem Auftritt des über 80 Musiker umfassenden Gesamtorchesters, welche das eigens für diesen Anlass arrangierte Stück aus der Feder des Dirigenten „Latinamerican Trip“ zum Besten gab.
Mit den schmeichelnd ins Ohr dringenden Tönen der „Rossini Highlights" entführte das I. Orchester in die Welt der Oper. Ob es „Der Barbier von Sevilla“, „Wilhelm Tell“, „Eine Italienerin in Algier“ oder „Die diebische Elster“ war – das Orchester fesselte seine Zuhörer und forderte spontane „Bravo-Rufe“ heraus.
„Das Dschungelbuch“ ist der abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios aus dem Jahr 1967, der auf den Dschungelbuch-Erzählungen von Rudyard Kipling basiert und von den Sherman-Brüdern musikalisch bearbeitet wurde. Das I. Orchester ließ den gemütlichen Bären Balu, der das Leben in vollen Zügen genießt, in Gedanken erscheinen und eiferte Colonel Hathi, dem Oberhaupt der Elefantenpatrouille und Kommandant der Marschkolonne, verbal nach. „Habt acht!“
„Spiel mir das Lied vom Tod!“ - wer kennt nicht diese berühmte Musik, die auch heute noch Gänsehaut zaubert! Ennio Morricone, mit dem Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, wurde von den Musikern des HCI mit einem „Morricone Special“ beehrt und Dirigent Siegmund Riedinger brachte mit seiner Mundharmonika echtes Gänsehaut-Flair.
Mit den Medleys „Comedian Harmonists“ - in einem Arrangement von H.G. Kölz - und dem „Krimi Puzzle“ - arrangiert von M. Hennecke - beendete das I. Orchester den offiziellen Teil eines begeisternden Jubiläumskonzerts. Ein musikalisches Feuerwerk, das die gesamte Bandbreite der Akkordeonmusik aufzeigte, das Akkordeon als einen ganz neuen Klangkörper präsentierte und sicherlich wieder viele Freunde für die Akkordeonmusik fand.

Dank an die musikalischen Leiter
Als kleinen Dank an die seit Jahrzehnten für die musikalische Leitung verantwortlichen Gerda und Siegmund Riedinger übereichte die Vereinsvorsitzende Elke Pfleiderer ein Blumen- und Weinpräsent.

Ehrungen für verdiente Mitglieder
Beim Konzert zum 75-jährigen Jubiläum wurden zahlreiche verdiente Vereinmitglieder geehrt.
Für 30 Jahre aktive Mitgliedschaft konnte die Vereinsvorsitzende Elke Pfleiderer die „Silberne Vereinsmedaille“ an Scarlett Arlt-Steiner, Thomas Fahrner, Anita Lambert, Elke Pfleiderer, Petra Metzger, Steffen Schoch, Claudia Wessely und Gerda Dian überreichen. Für 35 Jahre passive Mitgliedschaft wurden Maria Gailing und Hartmut Agster und für 45 Jahre Helmut Käs geehrt.

Für den Deutschen Harmonika-Verband (DHV) überbrachte der Bezirksvorsitzende Gerhard Meißner die herzlichsten Grüße. Neben einer Skulptur zum Jubiläum des Vereins ehrte der Bezirksvorsitzende Diana Ziegler mit der Silbernen Ehrennadel für 15 Jahre aktives Spielen. Martin Brendle, Simone Michalitschke, Doris Rust sowie Doris Wieland überreichte er für 25 Jahre aktives Spielen die goldene Ehrennadel.
Hohe Auszeichnungen für Steffen Schoch
Bürgermeister Thomas Knödler konnte „in Würdigung langjähriger Verdienste im Ehrenamt“ die vom Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg verliehene „Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg“ an den langjährigen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden des Vereins, Steffen Schoch, überreichen.
Der DHV-Bezirksvorsitzende Gerhard Meissner würdigte Schochs Engagement mit der vom DHV-Präsidenten und baden-württembergischen Wirtschaftsminister Ernst Pfister verliehenen „Ehrenamtsplakette des Deutschen Harmonika-Verbands“.
Steffen Schoch war von 1992-2007 Vorsitzender des Harmonika-Club Ilsfeld e.V. – zuvor Mitglied des Ausschusses und langjähriger Jugendleiter.
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