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„Viele kennen mich, der Rest wird mich kennenlernen“ …

… schmunzelt Gerhard Rau, Leiter des Forstreviers Ilsfeld, beim Zusammentreffen für dieses Portrait. Er ist ein netter, tierlieber Naturbursche (sofern sich dieser Begriff für einen 61-Jährigen verwenden lässt). Gerne hat er fröhliche Menschen um sich.

Beim gemeinsamen Gang durch Ilsfelds traumhaft schönen Herbstwald mit seiner Rauhaardackeldame an der Seite gab es dann auch viel zu lachen. Woran liegt’s, dass „unseren Förster“ so viele kennen? Zum einen erlebte er im Jahr 2011 sein fünfundzwanzigstes Tätigkeitsjahr in Ilsfeld. Seinen Geburtstag kennen viele hundert Holzmarktbesucher, da dieser in der Regel auf das Wochenende des Holzmarkts fällt.

Zum anderen ist er präsent in seinem 600 Hektar großen Revier, das mit dieser Größe zu den eher kleinen Revieren gehört. Deshalb ist er unter anderem auch Ansprechpartner für forstliches Vermehrungsgut im Landkreis und leistet, sofern erforderlich, Unterstützung in anderen Revieren. Sein Büro befindet sich im Forsthaus Ilsfeld und ist mit dem Landratsamt Heilbronn vernetzt. So kann er seine Arbeiten, wenn nötig, mit den anderen Förstern im Landkreis koordinieren. Am Liebsten ist er jedoch im Wald tätig. Wobei er einwendet, dass der Förster von früher, der mit dem Dackel durch den Wald wandert, kaum mehr anzutreffen ist. Die Arbeit eines Försters hat in den letzten Jahren einen großen Wandel erfahren. Viel zu sehr hat die Büroarbeit Einzug in die Zuständigkeiten eines Revierförsters gehalten.Die Planung der Holzernte, die Auftragserteilung zu deren Durchführung und die schriftliche Dokumentation aller geleisteten Arbeiten erfolgen vom Büro aus.

Auch das Erstellen von Statistiken, die Verwertung der bei der Holzaufnahme, d.h. der Erfassung des geernteten Holzes, gewonnen Daten und die Vorbereitungen zur Wiederaufforstung machen einen großen Teil seiner Arbeit aus. Sind diese Aufgaben erledigt, hält ihn nichts mehr im Büro. Dazu ist Gerhard Rau viel zu gerne Förster und in der Natur unterwegs. Der in Waldtann bei Crailsheim aufgewachsene Gerhard Rau erlebte schon in frühesten Kindertagen den Wald als Spielwiese. So stand 1967 der Forstberuf an erster Stelle seiner Ausbildungswahl. „Ich habe meine Berufswahl nie bereut.“ Das Beste an seinem Beruf ist für ihn die Arbeit in der Natur. „Die Zusammenhänge in der Natur zu erkennen, daraus Schlüsse zu ziehen über die Entwicklung von Waldbeständen und diese zu steuern“, das macht für ihn den Reiz seines Berufes aus. Die Rückführung eines von Borkenkäfern zerfressenen Fichtenwaldes in einen stabilen Mischwald nennt er als Beispiel hierfür. Sein Ziel ist die Erreichung eines qualitativ und quantitativ wertvollen Waldes.

Bei seinen Aufgaben im Wald wird er von drei Mitarbeitern unterstützt. So gilt es Wege zu unterhalten, die Holzernte durchzuführen, den Forst zu pflegen und ihn auf Schädlingsbefall zu kontrollieren. Auch Kaufinteressierten muss regelmäßig das angebotene Holz gezeigt werden. Während unseres Gesprächs rief dann auch gleich einer seiner wichtigsten Holzkunden an.

Eine Aufgabe, die ihm ebenfalls viel Freude bereitet, ist die Heranführung von Kindern an Natur und Wald. Hierfür arbeitet er eng mit den örtlichen Kindergärten und Schulen zusammen. Seine aus eigener Zucht stammende Hündin mit dem königlichen Namen Olga ist als sog. „Waldpädagogikhund“ immer dabei. Auf den Hund gekommen ist Gerhard Rau bereits vor vielen Jahren eher durch Zufall. Sein erster Dackel stammte aus dem Nachlass einer verstorbenen Frau und suchte ein neues Zuhause.

Gerhard Rau ist auch in seiner Freizeit aktiv. Als musikalischer Leiter der Jagdhornbläsergruppe Schozachtal spielt er Jagdhorn und gelegentlich auch Alphorn. Die Jagdhornbläsergruppe Schozachtal ist eine von fünf Jagdhornbläsergruppen im Kreis Heilbronn. Neben „amtlichen“ Auftritten wie bei runden Geburtstagen oder Beerdigungen wird die Jagdhornbläsergruppe Schozachtal auch für private Anlässe engagiert.

Daneben ist Gerhard Rau als Jäger unterwegs. Sein Jagdrevier liegt auf der sog. Kohlebene bei Unterheinriet. Das eigens gejagte Wild kocht er gelegentlich selbst.

Seine Leidenschaft für die Pilzsuche rundet das Bild des Försters ab. Im Ilsfelder Wald wachsen kaum mehr die begehrten Steinpilze und Pfifferlinge. Dafür findet man dort unter anderen den Parasol, erklärt er. „Ich bin wie ein Eichhörnchen und freue mich, wenn ich was mit nach Hause bringen kann“, so lacht er.

In seiner Freizeit wandert Gerhard Rau gerne in den Bergen, aber auch das Skifahren hat es ihm angetan. Zu Hause arbeitet er gerne im Garten. Gerhard Rau, der in wenigen Jahren pensioniert wird, befürchtet, dass aufgrund der klimatischen Erwärmung in seinen verbleibenden vier Jahren nochmals ein großer Sturm auftreten wird. Er schnäuzt in ein grün kariertes Stofftaschentuch: „Die Arbeit geht mir nicht aus“. Und wer Gerhard Rau noch nicht live erlebt hat, kann dies bei der jährlichen Holzversteigerung am 27. Dezember 2011 tun.

„Dicke Bäume machen schlanke Förster“:
Gerhard Rau vor einer ca. 200 Jahre alten, frisch gefällten Eiche

   
         
         
 
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