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„Die Drei von der Kläranlage“

Nachdem die Ilsfelder Wassertage vorbei sind, möchten wir heute unser Augenmerk von sauberem Bade- und Trinkwasser auf verunreinigtes Wasser richten.
Häufig verbrauchen und verschmutzen wir Wasser gedankenlos. Beim täglichen Kochen, Waschen, Putzen, dem Toilettengang, Duschen oder Baden ist uns nicht unbedingt bewusst, wie viel Wasser verbraucht wurde. Sichtbar wird dies in der Regel erst bei der jährlichen Wasser- und Abwasserabrechnung.

Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Baden-Württemberg vom März 2010 erfolgte mit der Wasser-/Abwasserabrechnung 2010 in Ilsfeld die Einführung einer gesplitteten Abwassergebühr. Zentrale Änderung war dabei die Aufteilung der Gesamtkosten der Abwasserbeseitigung in Kosten der Schmutzwasserbeseitigung (pro Kubikmeter) und in Kosten der Niederschlagswasserbeseitigung (pro Quadratmeter versiegelter Grundstücksfläche).

Wer unmittelbar feststellen kann, wie viel Abwasser wir produzieren und wie verschmutzt es ist, sind die „Drei von der Kläranlage“: Thomas Gessler, Betriebsleiter des Gruppenklärwerkes Ilsfeld, sowie seine beiden Kollegen Henry Streicher und Simon Jauß, die als Fachkräfte für Abwassertechnik für den störungsfreien Betrieb unserer Kläranlage sorgen. Von „unserer Kläranlage“ zu sprechen, ist nicht ganz korrekt, gehört die 1969 erbaute Kläranlage doch zum sog. „Zweckverband Gruppenkläranlage Schozachtal“, zu dem neben Ilsfeld die Gemeinden Abstatt und Untergruppenbach gehören.
Thomas Gessler, seit 20 Jahren in Ilsfelds Kläranlage beschäftigt, ist gelernter Zimmermann und Schreiner, während Henry Streicher als Maschinenschlosser lange Jahre im Heizungsbau tätig war. Henry Streicher ist derzeit doppelt belastet: er legt aktuell die Prüfung zur Fachkraft für Abwassertechnik ab. Wir wünschen ihm viel Erfolg. Der Dritte und Jüngste im Bunde, Simon Jauß, ist bereits seit 5 ½ Jahren in Ilsfeld. Er hat beim „Zweckverband Gruppenkläranlage Schozachtal“ seine Ausbildung absolviert und überlegt derzeit, in naher Zukunft vielleicht den Meister zu machen.

Der Beruf des sog. „Klärwärters“ hat es in sich: für die rund um die Kläranlage anfallenden Arbeiten sind die Drei als Elektriker, Schlosser, Laborant, Mechaniker und Gärtner tätig, nicht zu vergessen die Verwaltungstätigkeiten. Diese machen heute einen Großteil der Arbeit aus, wie zum Beispiel die Erstellung von Arbeitsschutzkonzepten, das Führen eines Betriebstagebuchs, die Erstellung von Statistiken oder das Einholen und Prüfen von Angeboten bei Reparaturen oder Umbauten.
Darüber hinaus ist der Job nicht ganz ungefährlich: beim Umgang mit Klärschlamm und Abwasser kommt es zu Gärprozessen, bei denen zu hohe Konzentrationen von Schwefelwasserstoff und Kohlenmonoxid zu Atemstillstand führen können. Auch Abwasserinhaltsstoffe wie Flammschutzmittel, Krankheitserreger, Weichmacher, Arzneimittelrückstände und sonstige Gegenstände, die nichts im Abwasser zu suchen haben, sind der Gesundheit nicht zuträglich. In Ilsfelds Abwasser werden regelmäßig Rasierklingen gefunden. Thomas Gessler: „Auch Essensreste sollten nicht in die Toilette gespült werden. Ratten nehmen sonst in den Kanälen überhand.“ In den vergangenen Wochen gab es in der Region zwei tödliche Unfälle von Klärwärtern. Es gelten für in Kläranlagen Beschäftigte daher sehr strenge Sicherheits- und Schutzvorschriften.

Thomas Gessler und seine Kollegen sind tüchtige Männer: sie konnten bei der vor wenigen Jahren durchgeführten Modernisierung der technischen Anlagen und der Aufstockung des Betriebsgebäudes viele Arbeiten selbst erledigen. Die Kosten dieser notwendigen Investition lagen dennoch bei 4,5 Mio.

Mit einem Problem haben die Männer der Kläranlage zu kämpfen: der Fremdwasseranteil des Abwassers, das über die Kanäle bei der Kläranlage ankommt, ist überdurchschnittlich hoch: er liegt bei 70 %. Der hohe Fremdwasseranteil entsteht hauptsächlich durch Wasser aus undichten Kanälen oder angeschlossenen Drainagen aber auch durch eindringendes Quellwasser. Dadurch verdünnt sich das eigentliche Abwasser, wird „sauberer“. Und so paradox das klingt: konzentriertes Abwasser lässt sich besser und leichter reinigen.

Das gereinigte Abwasser fließt auf Höhe der Oettinger-Mühle wieder in die Schozach, während der entstandene Klärschlamm entgegen früher, wo Klärschlamm zur Düngung auf die Äcker aufgebracht wurde, heute der thermischen Verwertung (Verbrennung) zugeführt wird.
Das Gruppenklärwerk Ilsfeld hat eine Ausbaugröße von 35.000 Einwohnern. Tatsächlich sind derzeit 20.500 Einwohner angeschlossen. Das Abwasser von Industrie, Handwerk und Gewerbe wird in Einwohnerwerte umgerechnet und ist in dieser Zahl bereits enthalten. Bei trockenem Wetter fließen der Kläranlage täglich zwischen 9.000 Kubikmeter und 10.000 Kubikmeter Abwasser zu. Die Höchstaufnahmemenge liegt bei 25.000 Kubikmetern. Und umweltfreundlich arbeitet „unsere Kläranlage“ noch dazu: das Gas aus den Faultürmen erzeugt mittels Blockheizkraftwerk und Fernwärmeleitung das Warmwasser sowie die Heizung für die Betriebsgebäude.

   
         
         
         
 
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