„Vielleicht muss man eine Mischung aus Erbsenzähler und Spinner sein", nennt Oliver Marx die zwiespältigen Eigenschaften eines Kämmerers. Der Begriff Kämmerer kommt vom lateinischen camera, was so viel wie Schatzkammer bedeutet.
Seit Januar 2008 ist er der Amtsleiter in der Finanzverwaltung der Gemeinde Ilsfeld. In seinem Büro im Dachgeschoss des Rathauses ist er, neben dem herrlichen Ausblick, von vielen Ordnern und Akten umgeben. Außer einem guten Zahlenverständnis sei für seine Arbeit auch ein Weitblick erforderlich. Eine seiner umfangreichen Aufgaben ist die Erstellung des jährlichen Haushaltsplans sowie möglicherweise des Nachtraghaushaltsplans. Dort stellt er die Einnahmen und Ausgaben der Kommune gegenüber und stellt den voraussichtlichen Finanzbedarf eines kommenden Jahres fest. Zudem überwacht er deren Vollzug. „Das heißt, ich schaue, dass alles richtig eingehalten wird", erklärt der Diplom-Verwaltungswirt. Für die zwei Eigenbetriebe der Gemeinde zu Wasser und Abwasser, stellt der Kämmerer die Wirtschaftspläne auf und macht Jahresabschlüsse. „Lieber vorsichtig kalkulieren", ist einer seiner Grundsätze. Auch Genauigkeit ist Marx sehr wichtig. Es sei ja das Geld anderer Leute, für das er verantwortlich ist, begründet er. Neben den Finanzen ist der 40-jährige auch für die Liegenschaften, das heißt für die Grundstücke der Kommune, inklusive darauf befindlicher Gebäude, verantwortlich. Zusammen mit Bürgermeister Thomas Knödler führt er mit Kaufinteressenten Gespräche. „Da sehen wir dann, ob es passt", meint Marx. Auch die Ausarbeitung der Kaufverträge unterliegt ihm. Die Bereiche Schule, Freibad und Wald gehören zur Kämmerei. Zum ersten Mal erwartet der Käm
merer jetzt eine Prüfung des Bundesrechnungshofes. „Da geht es um das Konjunkturpaket im Rahmen der Sanierung des Schulzentrums", erklärt er. Die vielschichtigen Aufgaben, die mit Bau-, Planungs- und Zivilrecht sowie Vollstreckung zu tun haben, gefallen dem Amtsleiter. Es reizt ihn, sich immer wieder in neue Bereiche einzudenken. „Ich will verstehen, warum etwas gebraucht wird oder wie eine Sache abläuft", sagt der gelernte Mechaniker.
Im Umgang mit seinen Mitmenschen ist ihm Offenheit wichtig. Auch kritische Stimmen hält er für notwendig. „Selbst eine Disharmonie muss man mal ertragen können", gibt er zu bedenken. Sechs Mitarbeiter, die meisten in Teilzeit, arbeiten in seinem Amt. Oliver Marx wohnt mit seiner Familie, er ist verheiratet und hat zwei Söhne (4 und 1) in Ilsfeld, wo er sich wohlfühlt. Falls er mal Freizeit hat, spielt er gerne Poolbillard. Einfach mal was anstoßen, das passe zu ihm, sagt er.
Ute Knödler