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Der Nachtwächter hält wieder am alten Platz die Wache
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Man kann den Nachtwächter nicht übersehen. Seit dem Umbau der König-Wilhelm-Straße und der Verkleidung der Planmauer mit Natursteinen ist der Nachtwächter an seinen alten Platz an der Abzweigung der Charlottenstraße zurückgekehrt. Dort stand er etwa 25 Jahre lang, bis er im Zuge des Neubaus der 1970 teilweise eingestürzten Planmauer auf den Platz oberhalb der Großen Hasengasse an der König-Wilhelm-Straße versetzt wurde. |
Nun wirft der Nachtwächter wieder sein wachsames Auge von gewohnter Stelle am Anfang der Planmauer auf alle, die in den Ort kommen.
Der Nachtwächter in der Geschichte
Der Nachwächter war früher ein Stück des dörflichen Lebens in Ilsfeld. Er hatte darüber zu wachen, dass Bauern und Handwerker, Einheimische und Fremde friedlich schlafen konnten. Der Nachtwächter hatte Störenfriede, die auf dem Heimweg von der Wirtschaft waren, am nächsten Tag dem Schultheiß zu melden. Er sollte Diebe fernhalten und musste bei Feuergefahr sofort alarmieren. Ilsfeld hatte zwei Nachtwächter: Der Erste für die Vorwache von abends 9 Uhr bis Mitternacht, der Zweite tat seinen Dienst von Mitternacht bis 4 Uhr morgens. In den Sommermonaten waren die Zeiten verkürzt.
Um 10 Uhr und 2 Uhr wurde das Nachtwächterglöcklein geläutet, wohl zum Zeichen dafür, dass der Wächter auf seinem Posten war. Später wurde das Läuten aufgegeben und im Dorf umher Kontrolluhren angebracht.
In eisigen Winternächten ging der Nachtwächter tief in den Mantel gehüllt, früher auch bewaffnet, seinen gewohnten Gang durchs Dorf. In den lauen Sommernächten fiel ihm sein Amt wohl leichter.
Beim Gang durch die Gassen des Dorfes stimmte der Nachtwächter zur vollen Stunde einen Liedvers an. Die Frage, wie sich sein Gesang angehört hat, mag dahingestellt sein. Jedenfalls stand am Anfang der Strophe die begonnene Stunde, dann wurde die Zeit, die die Kirchenglocke geschlagen hatte, mit einem Bild aus der Bibel nochmals in Erinnerung gerufen. Der Gesang für die Stunde um Mitternacht beschreibt das neue Jerusalem aus der Offenbarung des Johannes.
Hört, ihr Christen, lasst euch sagen,
uns’re Glock’ hat zwölf geschlagen.
Zwölf Tor’ hat die gold’ne Stadt,
wohl dem, der den Eingang hat.
Wenn jemand krank darniederlag, sang der Nachwächter vor dem Häuschen ein Trostlied (hier gekürzt):
Zwölf Stunden hat ein jeder Tag,
Mensch bedenk’, wann d’sterben magst!
Der Gott, der dich krank kann machen,
dem sind’s gar leichte Sachen,
er machet krank, er macht gesund
und hilft auch dir zu jeder Stund.
Der Nachtwächter war also nicht allein Behüter und ersetzte die Uhr, er war auch Tröster und spendete Hoffnung.
Der letzte Nachtwächter in Ilsfeld war Christian Schäfer, Großvater von Werner Schäfer, der beim Umzug an der Kirwe 2010 mit historischem Kostüm den Nachtwächter darstellte.
Die Statue des Ilsfelder Nachtwächters
Frau Marta Witt erinnert sich, wie es dazu kam, dass Ilsfeld die Statue eines Nachtwächters bekam.
„Durch unseren Klassenlehrer Erich Richter aus Aue in Sachsen kam 1947 ein Briefwechsel zwischen uns Schülern der 6. Klasse mit der Heimat des Klassenlehrers zustande. Wir haben dann einen etwa 20 cm großen holzgeschnitzten Nachtwächter als Geschenk bekommen. Er hat die ganzen Jahre bis zum Schulabschluss unser Klassenzimmer (heute in der Volkshochschule) geschmückt.
Dieser Nachtwächter diente dann Heinz Mann in den 50er Jahren als Modell. Er hat den Nachtwächter aus Stein gehauen und auf die alte Planmauer gestellt, später auf die Mauer oberhalb der Großen Hasengasse. Jetzt steht er wieder auf seinem alten Stammplatz am Anfang der Charlottenstraße und erfreut jeden Bürger, der an ihm vorbeigeht und ihn freundlich anlächelt. Den aus Holz geschnitzten Nachtwächter haben wir beim Schulabschluss unserem Klassenlehrer geschenkt“.
Der Nachtwächter ist eines der ersten Werke des Bildhauermeisters Heinz Mann. Mehr als zehn weitere Arbeiten sind in seiner Werkstatt entstanden und bereichern das Ortsbild von Ilsfeld.
An dem Nachtwächter, den Heinz Mann im Alter von etwa 25 Jahren schuf, hängt er aber in besonderer Weise. Sein Sohn, Alexander Mann, hat nun den über 50 Jahr alten Nachtwächter restauriert.
Heinz Mann wünscht sich, dass die Hellebarde nicht wieder zerstört wird und die Stoß- oder Hiebwaffe von den Vorübergehenden als Zeichen der Gerechtigkeit erkannt wird. Die Laterne in der linken Hand des Nachtwächters soll als Symbol angesehen werden, das die Heimat vor Feuer schützt.
Der erneuerte Nachtwächter am Beginn der ebenfalls neu gestalteten Planmauer gibt der König-Wilhelm-Straße wieder ein Stück ihres früheren Aussehens. Walter Conrad
Die Ausführungen zur Geschichte des Nachtwächters sind weitgehend aus einem Artikel von Otto Conrad entnommen. | |
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